Die PV-Anlage und saldierende Zähler

19.07.2017 Kevin Murkisch Lesezeit 7 minutes


Betreiber einer Solaranlage setzen heutzutage immer mehr auf den Eigenverbrauch des von ihrer Solaranlage erzeugten Stromes, anstatt diesen in das öffentliche Netz einzuspeisen. Dies liegt zu einem wesentlichen Teil an der steigenden Unabhängigkeit, die dem Betreiber dadurch ermöglicht wird.

Doch auch finanziell lohnt sich der Verbrauch des Solarstroms, da dieser mittlerweile deutlich günstiger ist als der Strom des öffentlichen Netzes. Während die Einspeisevergütung seit dem Jahre 2012 immer weiter sinkt, steigt somit der Wert des eigens erzeugten Stromes.

Saldierende Stromzähler


Pflichten des Betreibers

Allerdings können auch beim Eigenverbrauch Kosten auf den Eigenheimbesitzer zukommen. So müssen Betreiber einer Anlage mit mehr als 10 kWp Leistung seit dem 01.01.2017 40% der sogenannten EEG-Umlage auf den eigenverbrauchten Solarstrom entrichten. Das entspricht einem Wert von rund 2,7 Cent pro Kilowattstunde. Kleinere Anlagen allerdings sind von dieser Umlage befreit, weshalb sich für PV-Anlagen eines typischen Ein- oder Mehrfamilienhauses in der Regel nichts ändert. Dennoch müssen die Erzeugung des Solarstroms, ebenso wie der Eigenverbrauch und der Netzbezug genauestens dokumentiert werden.

Dafür bedarf es insgesamt dreier Stromzähler:

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Zunächst benötigt man den normalen Bezugszähler für den Strom aus dem Versorgungsnetz. Zusätzlich wird ein Einspeisezähler benötigt, der den Wert des in das Netz eingespeisten Solarstromes misst. Zu guter Letzt ist ein sogenannter Ertragszähler, auch PV-Zähler genannt, von Nöten, der den gesamten von der Solaranlage produzierten Solarstrom misst. Bezugszähler und Einspeisezähler können dabei in Form eines Zweirichtungs-Zählers kombiniert werden, der zeitgleich den eingespeisten Solarstrom, sowie den bezogenen Verbrauchsstrom misst.

Ein solcher Zweirichtungszähler bietet den Vorteil, dass er deutlich weniger Platz in Anspruch nimmt. Allerdings kann dieser, anders als die übrigen Zähler, nur vom Netzbetreiber gestellt werden, was mit zusätzlichen Kosten verbunden sein kann. Da die Kosten für die Bereitstellung je nach Netzbetreiber stark voneinander abweichen, müssen die Vor- und Nachteile von jedem Anlagenbetreiber selbst gegeneinander abgewogen werden. Sämtliche Zähler müssen dabei den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für den Anschluss an das Niederspannungsnetz genügen.


Eigenverbrauch trotz einphasiger Einspeisung

Eine im Tagesgeschäft immer wieder gestellte Frage beschäftigt sich jedoch nicht mit den Zählern an sich, sondern vielmehr mit der "Phasenproblematik". Schließlich ist das Stromnetz in Deutschland dreiphasig aufgebaut, das heißt, dass der Strom in der Regel über drei Phasen bei den elektrischen Verbrauchern des Haushalts ankommt. So manch ein Anlagenbetreiber ist daher überfordert und fragt sich, ob er den gesamten Eigenverbrauch auch dann nutzen kann, wenn er lediglich auf einer oder zwei Phasen einspeist, da er nur einen oder zwei einphasig einspeisende Wechselrichter besitzt. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine komplexe Thematik, bei der es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Dies soll im weiteren Verlauf dieses Artikels geschehen.

Eigenverbrauch

Die Frage, ob und auf welche Weise der volle Eigenverbrauch genutzt werden kann, ist für Anlagenbetreiber von enormer Bedeutung, da sie so ihre eigene Unabhängigkeit vor großen Energiekonzernen erhöhen und auf diese Weise bares Geld sparen können. Dabei ist in der Regel zwischen drei verschiedenen Formen der einphasigen Einspeisung und des Verbrauchs zu unterscheiden:


1. Einphasige Einspeisung bei einphasigem Verbrauch

Bei einem Haus, in dem Einspeisung und Verbrauch auf nur einer Phase verlaufen, ist die Angelegenheit schnell erklärt: Erzeugt die Anlage Solarstrom, wird dieser an die Verbraucher im Haushalt abgegeben oder in das öffentliche Netz eingespeist. Der PV-Zähler misst demnach die Menge des erzeugten Solarstroms, während Einspeise- und Bezugszähler den eingespeisten bzw. aus dem öffentlichen Netz bezogenen Strom erfassen. Erzeugt die Anlage nun mehr Strom als im Haushalt verbraucht wurde, so läuft der Einspeisezähler. Wird hingegen weniger Strom erzeugt als im Haushalt benötigt, so muss dieser aus dem öffentlichen Netz bezogen werden. In diesem Fall beginnt der Bezugszähler zu messen. So lässt sich eine einfache Rechnung aufstellen: Je mehr Solarstrom erzeugt und verbraucht wird, desto mehr laufen Erzeugungs- sowie Einspeisungszähler und desto weniger läuft der Bezugszähler.


2. Einphasige Einspeisung bei mehrphasigem Verbrauch - Phasenweise Messung

Komplizierter wird es, wenn eine einphasige Einspeisung erfolgt, obwohl die Verbraucher auf mehreren Phasen versorgt werden, wie es in deutschen Haushalten der Normalfall ist. Hier gibt es zwei Varianten, von denen eine die phasenweise Messung von Einspeise- und Bezugszähler ist. So misst der Einspeisezähler in diesem Fall nur Phasen, in denen Strom erzeugt wird, während der Bezugszähler nur die Phasen misst, in denen dieser verbraucht wird. Hier bildet sich allerdings folgendes Problem: Verbraucher, die nicht auf derselben Phase wie die PV-Anlage laufen, werden nicht von dem Solarstrom versorgt und bei Betrieb automatisch vom Bezugszähler erfasst. So kann es passieren, dass der Betreiber dem Zähler nach Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen musste, obwohl die Anlage mehr Solarstrom als nötig erzeugt hat. Der dadurch geringe Eigenverbrauch kostet den Betreiber Geld, da er gezwungen ist, mehr für den Netzstrom zu bezahlen als der eingespeiste Strom eingebracht hat.


3. Einphasige Einspeisung bei mehrphasigem Verbrauch - Verrechnung der Phasen

Die zweite, deutlich sinnvollere und rentablere Variante für Eigenheimbesitzer sind daher die sogenannten saldierenden Zähler, bei denen Einspeise- und Bezugszähler die Phasen miteinander verrechnen, selbst wenn die Einspeisung einphasig, der Verbrauch jedoch mehrphasig erfolgt. In diesem Falle wird praktisch die Differenz aus dem erzeugten Solarstrom auf der einen Seite und dem Verbrauch der Geräte auf der anderen Seite berechnet, unabhängig von der Phase, an die sie angeschlossen sind. Solange die Solaranlage somit mehr Strom erzeugt als die Verbraucher des Haushaltes benötigen, entstehen für den Betreiber keinerlei unnötige Kosten. Der überschüssige Strom wird in das Netz eingespeist und von dem Einspeisezähler erfasst. Erst wenn insgesamt mehr Strom verbraucht wurde als die Solaranlage liefern kann, beginnt der Bezugszähler zu laufen. Dies führt zu einer korrekten Ermittlung des Eigenverbrauches und gereicht dem Betreiber somit zum Vorteil.

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Saldierende Zähler lohnen sich

Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich saldierende Zähler für jeden PV-Anlagenbetreiber lohnen. Selbst wenn die Anlage den erzeugten Solarstrom dreiphasig einspeisen würde, bestünde die Gefahr, dass die Rechnung zu Ungunsten des Betreibers ausfällt, wenn die großen Verbraucher des Haushaltes an einer Phase angeschlossen sind, auf der die Anlage zufällig weniger Strom produziert und kein saldierender Zähler installiert ist. Auch wenn der Strom insgesamt gereicht hätte, um sämtliche Verbraucher zu versorgen, müsste ein Großteil des Stromes somit in das öffentliche Netz eingespeist werden, was zu einem niedrigeren Eigenverbrauch und damit steigenden Stromkosten führt.

Um von den Vorteilen eines saldierenden Zählers zu profitieren, müssen die Betreiber in der Regel nur darauf achten, dass ihr Haus über einen solchen Zähler verfügt oder mit diesem ausgestattet wird und dieser im Modus "Wie Ferraris-Zähler" läuft. Seit dem Jahre 2010 müssen nach dem Energiewirtschaftsgesetz immerhin sämtliche Neubauten und auch modernisierte Gebäude mit einem elektronischen Zähler ausgestattet sein. Die bisher üblichen Dreiphasen-Ferraris-Zähler laufen noch mechanisch und sollen daher in den kommenden Jahren sukzessive abgeschafft werden, um so detaillierte Informationen über den Verbrauch an den einzelnen Phasen erhalten zu können.

Wichtige Information Leider hat die Gesetzgebung es bisher versäumt festzulegen, wie der Zähler zu seinem Ergebnis kommen darf bzw. muss. Lediglich die zulässigen Toleranzen sind gesetzlich festgeschrieben. Das bedeutet, dass es dem Netzbetreiber obliegt zu entscheiden, ob ein saldierender Zähler installiert wird oder nicht. Da er hierzu nicht verpflichtet ist, kann er sich weigern und stattdessen Zähler installieren, die die Phasen getrennt ermitteln. Besprechen Sie daher im Vorfeld mit Ihrem Netzbetreiber, ob die Installation eines saldierenden Zählers erfolgen kann!


Fazit

Wer sich für den Kauf einer Photovoltaik-Anlage interessiert und damit einen möglichst hohen Eigenverbrauch erzielen möchte, der sollte dringend über die Installation eines saldierenden Zählers nachdenken. Mit einem solchen Zähler werden die einzelnen Phasen des Haushaltes zusammengefasst und der erzeugte Solarstrom dem benötigten Strom der Verbraucher gegenübergestellt.

Anders als bei den üblichen Zählern profitiert der Betreiber in einem solchen Falle davon, dass die größtmögliche Menge des erzeugten Solarstroms auch wirklich an die Verbraucher oder den Stromspeicher weitergeleitet wird, was den Eigenverbrauch erhöht und somit Kosten spart. Erst wenn tatsächlich weniger Strom produziert als verbraucht wurde, muss Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen werden. Somit laufen Sie nicht Gefahr, dass der erzeugte Solarstrom vergeudet und in das öffentliche Netz eingespeist wird, nur weil die großen Verbraucher an einer anderen Phase angeschlossen sind.

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