Der Unterschied zwischen einer Einspeise-, Nulleinspeise- und der Inselanlage

15.03.2017 Kevin Murkisch Lesezeit 6 Minuten

Der Kauf einer Photovoltaikanlage ist keine einfache Angelegenheit und bringt eine Vielzahl von offenen Fragen und Entscheidungsmöglichkeiten mit sich. Viele Interessenten stehen daher bereits vor Beginn ihrer eigentlichen Anlagenplanung vor ein und derselben Frage: Um was für eine Anlage soll es sich eigentlich handeln?

Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland lassen sich Solaranlagen installieren, um ihren eigenen Strom zu erzeugen und damit möglichst unabhängig von den weiter steigenden Strompreisen der öffentlichen Netzanbieter zu werden. Doch auch hier gibt es unterschiedliche Varianten. Einige davon sollen in diesem Artikel vorgestellt werden:

Solaranlage zur Stromerzeugung


Die „normale“ Einspeiseanlage

Eine Photovoltaikanlage, die den eigens erzeugten und nicht direkt verbrauchten Strom an das öffentliche Netz abgibt, wird als Einspeiseanlage bezeichnet. Dabei ist das Haus, wie in Deutschland gesetzlich festgeschrieben, mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden und speist den überschüssigen Strom in dieses ein. Als Gegenleistung wird der eingespeiste Strom durch die sogenannte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entlohnt, die für die kommenden 20 Jahre festgelegt wurde und je nach Nennleistung der Anlage derzeit bei 10,71 bis 12,31 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liegt.

Bei einer durchschnittlichen Familie beträgt der Eigenverbrauch dabei rund 30%, d.h. 70% des erzeugten Stromes werden eingespeist und schließlich vergütet. Durch die Installation eines Stromspeichers lässt sich der Eigenverbrauch sogar auf bis zu 75% erhöhen. Betreiber einer netzgekoppelten Einspeiseanlage können somit doppelt von dem eigens erzeugten Strom profitieren.

Vorteile Nachteile
Gutes Preis- Leistungsverhältnis Anmeldung der Anlage als Gewerbe
Erhalt der Einspeisevergütung nach EEG Unterliegt den Pflichten der EEG
Erstattung der Umsatzsteuer auf den Kaufpreis der Anlage Erhöhter bürokratischer Aufwand

Eine solche Anlage ist daher besonders sinnvoll für Hausbesitzer, die einen durchschnittlichen Stromverbrauch aufweisen und ihre jährlichen Stromkosten drastisch verringern möchten.

Solaranlage kaufen


Die Nullleinspeiseanlage

Bei Nulleinspeiseanlagen handelt es sich hingegen um Solaranlagen, die keinerlei überflüssigen Strom produzieren, der bei einer herkömmmlichen Einspeiseanlage in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden könnte. Somit werden bestenfalls 100% des hergestellten Stroms selbst verbraucht, wozu es der optimalen Auslegung der Anlage und dazu passender Stromspeicher bedarf.

Die Stromproduktion bei einer solchen Anlage wird dabei durch einen Wechselrichter so gesteuert, dass die Leistung der Anlage exakt an den im Haushalt entstandenen Verbrauch angepasst wird. Ziel einer solchen Anlage ist es also, auch und vor allem mithilfe von Stromspeichern, die maximal mögliche Menge des produzierten Stromes zu verbrauchen, ohne weiteren Strom an den Netzanbieter abzugeben. Dadurch verzichtet man zwar auf die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, ist jedoch auch an keine der damit einhergehenden Pflichten gebunden. Doch auch diese Anlagen sind an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, um weiterhin normalen Strom beziehen zu können, wenn der erzeugte Solarstrom nicht ausreichen sollte.

Vorteile Nachteile
Kein erhöhter bürokratischer Aufwand Keine Rückerstattung der Umsatzsteuer
Keine Pflichten nach dem EEG Keine Einspeisevergütung
Erhöhte Unabhängigkeit

Eine solche Anlage eignet sich somit nur für Hausbesitzer, die einen hohen Eigenverbrauch aufweisen und einen dazu passenden Stromspeicher installieren lassen, um den eigens produzierten Strom möglichst sinnvoll zu nutzen.

Nulleinspeiseanlage


Die Photovoltaik-Inselanlage

Von einer Solar-Inselanlage im Rahmen der Photovoltaik ist dann die Rede, wenn der vorhandene Stromspeicher auch dann von der Solaranlage mit Strom versorgt und somit aufgeladen werden kann, wenn keine Verbindung (mehr) zum öffentlichen Stromnetz besteht. Dies führt dazu, dass der Haushalt einzig und allein den von den Solarmodulen produzierten Strom verbrauchen kann, ohne auf den Zukauf von normalem Strom angewiesen zu sein. Dazu muss zunächst zwischen zwei Arten der Inselanlage unterschieden werden:


Solar-Inselanlage ohne Netzanschluss

In diesem Fall handelt es sich um eine Photovoltaikanlage, die in keiner Weise an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist. Dabei wurde die Anlage so konzipiert, dass sie in ihrer Größe und der Leistung - sowohl der Solarmodule als auch der Speicher - ausreichend ist, um das gesamte Haus eigenständig mit Strom zu versorgen und somit einen Autarkiegrad von 100% zu erreichen. In der Regel tritt dieser Fall jedoch nur ein, wenn der Anschluss an das öffentliche Stromnetz zu aufwendig oder teuer wäre, also in abgelegenen Wochenend- oder Ferienhäusern, sowie Berghütten und einzelnen Infrastruktureinrichtungen.

Öffentliches Stromnetz


Inselanlage für Notstrom

Dennoch gibt es auch für deutsche Hausbesitzer die Möglichkeit, die eigene Unabhängigkeit vom öffentlichen Strom zu erhöhen. Sollte es schließlich einmal zum Ausfall des Stromnetzes kommen, so kann es sinnvoll sein, eine Solar-Inselanlage für Notstrom zu installieren. Diese ermöglicht, normale Einspeise-, ebenso wie Nulleinspeiseanlagen im Notfall zu einem Inselsystem umzuwandeln. Kommt es also zu einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes, so besitzen diese Systeme die Fähigkeit, automatisch und innerhalb von wenigen Sekunden auf Ersatzstrom umzuschalten und so die weitere Nutzung aller Verbraucher im Haushalt zu gewährleisten.

Hierzu bedarf es der Errichtung eines echten Notstromsystems, bei dem eine allpolige Trennung im Zählerschrank installiert wird, um eine Trennung des gesamten Hauses vom öffentlichen Netz zu gewährleisten. In gleichem Maße muss der Wechselrichter mit dem Speichersystem kommunizieren können oder in Form eines ESS (wie beispielsweise dem E3DC S10) bereits im Medium integriert sein. Kommt es also zu einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes, so besitzen diese Systeme die Fähigkeit, automatisch und innerhalb von Millisekunden auf Notstrom umzuschalten und so eine störungsfreie Nutzung aller Verbraucher im Haushalt zu gewährleisten.

E3DC Notstrom


Notstrom mit Stromspeichern von E3DC oder BYD

Einige Hersteller bieten derartige Lösungen bereits an und sind dadurch besonders beliebt. So hat sich vor allem das deutsche Unternehmen E3DC hierzulande in Sachen Notstrom einen Namen gemacht. Mit dem E3DC S10 E und dem E3DC S10 Pro, aber auch dem E3DC S10 Mini bietet das Unternehmen schließlich drei Stromspeicher an, die dazu in der Lage sind, das öffentliche Stromnetz vollkommen zu ersetzen. Fällt der Strom also einmal aus, bauen die Speicher von E3DC ein autarkes Hausstromnetz auf. Dadurch können die leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 4,6 kWh bis zu über 39 kWh weiter be- und entladen werden. So können Sie weiterhin Strom verbrauchen, während Ihre Nachbarn schon im Dunkeln sitzen. Das Beste daran: Sämtliche Komponenten zur Stromerzeugung und dessen Nutzung sind bereits im Gerät integriert!

Auch der chinesische Hersteller BYD ist mit den Modellen der BYD B-Box in der Lage, bei einem Stromausfall Notstrom bereitzustellen. In Verbindung mit dem SMA Sunny Island sind die Stromspeicher mit einer Kapazität von 2,56 bis 81,9 kWh in der Lage, den gespeicherten Strom bis zur vollständigen Entladung der Batterie bereitzustellen. Zur Solar-Inselanlage wird das System dann, wenn Sie zusätzlich einen Solarwechselrichter von SMA installiert haben. Doch die Modelle sind nicht nur aufgrund der Notstromfunktion beliebt. In Verbindung mit einem KOSTAL Hybrid-Wechselrichter wie dem KOSTAL Plenticore sind die Stromspeicher besonders effizient - und dabei vor allem kostengünstig. Dank einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis zählt die Kombination aus BYD mit Hybrid-Wechselrichter somit zu den aktuell beliebtesten Speichersystemen.

KOSTAL Wechselrichter


Vorteile Nachteile
Funktion als Ersatzstromsystem Deutliche Mehrkosten
Absicherung vor Stromausfällen Kaum ökonomischer Nutzen
Maximale Unabhängigkeit Selten angewendet

Wer sich für eine solche Option entscheidet, der sollte zunächst den voraussichtlichen Tagesverbrauch, die dazu passende Anlagengröße, sowie die ausreichende Auslegung der Solarspeicher ermitteln und errechnen, ob eine solche Investition ökonomisch sinnvoll ist. Fest steht jedoch, dass eine hohe Unabhängigkeit von den zukünftigen Entwicklungen des Stromnetzes und der Energiepolitik in Deutschland mithilfe eines solchen Solarspeichersystems möglich ist.

EEG-Vergütung


Fazit: Die Unterschiede in einer Tabelle zusammengefasst:

Normale Einspeiseanlage Nulleinspeiseanlage Inselanlagen
Optional Optional


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