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Photovoltaik Steuer 2022 auf Umsatz, Einkommen, Gewerbe?

Wie muss man eine Photovoltaikanlage versteuern? Die Antwort darauf muss nicht kompliziert sein. Wir zeigen dir, welche Steuerarten als Betreiber:in einer PV-Anlage für dich relevant sind und wie sich Eigenverbrauch, Regelbesteuerung, Kleinunternehmerregelung, Gewerbeanmeldung und mehr darauf auswirken.


| Tanita Belke | 18 Min. Lesezeit

Über uns Autor:innen

Die Steuer bei Photovoltaikanlagen – ein Überblick

Du möchtest eine Solaranlage kaufen oder mieten und stehst nun vor der Frage, welche steuerlichen Konsequenzen diese Entscheidung mit sich bringt? Dazu hilft es, sich zunächst einen Überblick über die drei verschiedenen Steuerarten verschaffen, die mit dem Betrieb einer Solaranlage einhergehen.

  1. Die Umsatzsteuer (umgangssprachlich oft auch als “Mehrwertsteuer” bezeichnet)
  2. Die Einkommensteuer
  3. Die Gewerbesteuer (auf die wir in diesem Artikel nicht weiter eingehen, da sie für Betreiber:innen von PV-Anlagen auf dem eigenen Einfamilienhaus in der Regel nicht fällig wird)

Das klingt nun vielleicht nach viel Steuerrecht und Papierkram; tatsächlich hält sich der Aufwand aber in Grenzen und du kannst sogar eine Reihe steuerlicher Vorteile aus deiner Solarenergie ziehen.

Übrigens: Wir sind keine Steuer-, sondern Solarexperten und können daher keine Gewähr für die hier gemachten Angaben übernehmen. Wende dich bitte vor dem Kauf einer PV-Anlage an eine:n Steuerberater:in und lass dir insbesondere erklären, wie die steuerliche Lage für deine individuelle Lebenssituation aussieht.

Frau und Sohn benutzen Laptop - PV-Anlage und Kleinunternehmerregelung erklärt

Umsatzsteuer oder Kleinunternehmerregelung bei Photovoltaikanlagen?

Die erwirtschafteten Umsätze aus der Photovoltaikanlage unterliegen der Umsatzsteuerregelung. Das bedeutet, dass 19 Prozent Umsatzsteuer aller Erträge aus deiner Solaranlage ans zuständige Finanzamt abgeführt werden müssen. Die Erträge beinhalten sowohl die Vergütung nach dem EEG, als auch deinen selbst verbrauchten Solarstrom.

Sofern du die Umsatzsteuer abführst, kannst du umgekehrt in deiner Vorsteuererklärung die Rückerstattung der Mehrwertsteuer des Anlagenkaufes fordern. Grundsätzlich stehen dir jedoch zwei Möglichkeiten zur Verfügung, die umsatzsteuerliche Behandlung deiner Photovoltaikanlage zu regeln: Die Umsatzsteuerregelung und die Kleinunternehmerregelung.

Sofern du mehr als 10 Prozent des Stroms aus deiner Photovoltaikanlage ins öffentliche Netz einspeist, handelst du steuerrechtlich mit “Gewinnerzielungsabsicht” und gehst einer “gewerblichen Tätigkeit” nach. Grund ist, dass du für den eingespeisten Strom eine Vergütung von deinem örtlichen Netzbetreiber erhältst. Dies verpflichtet dich, den Betrieb deiner PV-Anlage beim Finanzamt anzumelden.

  • Dazu genügt, je nach für dich zuständigem Finanzamt, ein Anruf, eine Meldung online oder ein Besuch vor Ort
  • Daraufhin schickt dir das Finanzamt einen “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” zu, in dem du Angaben zu deiner gewerblichen Tätigkeit machst und beispielsweise zwischen der berüchtigten Kleinunternehmerregelung und der Regelbesteuerung deiner Umsätze wählen kannst
  • Daneben erhältst du das “Zusatzblatt Photovoltaik”, das Fragen zur Betreiber:in der Anlage, zu deren Standort, zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme und mehr stellt.

Wählst du die Regelbesteuerung, erhältst du anschließend noch eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer per Post und damit ist der Prozess der Anmeldung für Zwecke der Umsatzsteuer auch schon erledigt.

Daneben kann aber auch noch die Pflicht zur Anmeldung deiner PV-Anlage als Gewerbe bestehen. Das hat steuerrechtlich erstmal nichts mit der Umsatzsteuer, sondern mit der Gewerbesteuer zu tun und passiert deshalb auch nicht beim Finanz- sondern deinem örtlichen Gewerbeamt (bspw. dem Ordnungsamt).

Wir sagen bewusst, dass die Pflicht bestehen “kann”, weil es hier auf deine individuellen Voraussetzungen ankommt. Beispielsweise sind PV-Anlagen unter 30 m² bzw. 5 kWp in der Regel von der Pflicht zur Gewerbeanmeldung befreit. Um sicherzugehen, empfehlen wir dir jedoch in jedem Fall, bei deinem Gewerbeamt nachzufragen.

  • Auch hierfür gibt es ein Formular, das je nach Wohnsitz postalisch oder auch online an das Gewerbeamt geschickt werden kann.
  • Und genau wie bei der Anmeldung beim Finanzamt wird auch hier eine kleine Bearbeitungsgebühr in zweistelliger Höhe fällig.
  • Selbst wenn dein Gewerbeamt eine Anmeldung für notwendig hält, wirst du als Betreiber einer Solaranlage auf einem Einfamilienhaus keine Gewerbesteuer zahlen müssen, da diese erst bei einem Gewinn über 24.500 Euro pro Jahr anfällt.

Photovoltaikanlage und Umsatzsteuer

Bevor wir zur Einkommens- und schließlich zur Gewerbesteuer (die nur in Sonderfällen anfällt) kommen, betrachten wir zuerst die umsatzsteuerrechtlichen Aspekte, die für den Betrieb deiner Solaranlage relevant sind.

Allerdings kannst du bei Anmeldung deiner PV-Anlage beim Finanzamt zwischen der Regelbesteuerung und der Kleinunternehmerregelung wählen – mit der Konsequenz, dass du als Kleinunternehmer:in mit Rückerstattungen vom und Nachzahlungen an das Finanzamt nichts zu tun hast. Das hat – teilweise kostspielige – Vor- und Nachteile, die wir gleich skizzieren werden; erstmal erklären wir aber die Rahmenbedingungen beider Besteuerungsarten.

Die umsatzsteuerliche Regelbesteuerung von Photovoltaik-Anlagen

Das Betreiben deiner Solaranlage verursacht sowohl Kosten als auch Einnahmen – und bei der Regelbesteuerung ist das Finanzamt steuerlich an beidem beteiligt. Denn Kosten des Betriebs der PV-Anlage – also der Kaufpreis der Anlage selbst, die Installation, Wartungen, Versicherungen etc. – werden dir von anderen Unternehmen mit einem Kaufpreis plus 19 Prozent Steuer in Rechnung gestellt. (Im Alltag nennt man diese Steuer häufig “Mehrwertsteuer”; in diesem Fall heißt sie steuerrechtlich korrekt aber “Vorsteuer”.)

Wenn du umgekehrt das Produkt deiner Solaranlage, also den erzeugten Solarstrom, in das öffentliche Netz einspeist, nimmst du dafür eine Vergütung ein. Auf diese Einspeisevergütung zahlt dir der Netzbetreiber ebenfalls 19 Prozent Umsatzsteuer obendrauf – und die gehört steuerrechtlich nicht dir, sondern dem Finanzamt.

Merkwürdig ist vielleicht, dass auch der von deiner PV-Anlage erzeugte und im Haushalt verbrauchte Strom der Umsatzsteuer unterliegt. Grund dafür ist, dass du die PV-Anlage als Unternehmer:in betreibst, den erzeugten Solarstrom aber nun in deinen privaten Bereich entnimmst.

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Den Preis des Solarstroms für den Eigenverbrauch setzt das Finanzamt in der gleichen Höhe an, die du für die gleiche Strommenge an deinen lokalen Grundversorger hättest bezahlen müssen. Beim aktuellen Netzstrompreis von 35 Cent pro kWh (Stand: März 2022) würden also 19 Prozent davon bzw. 5,75 Cent pro Kilowattstunde Umsatzsteuer auf deinen Eigenverbrauch entfallen.

Nun hast du am Ende eines beliebigen Monats also 19 Prozent Vorsteuer auf deine Gesamtkosten an andere Unternehmen gezahlt und 19 Prozent Umsatzsteuer auf deine Gesamteinnahmen von anderen Unternehmen erhalten (wenn auch nur fiktiv wie im Falle des Eigenverbrauchs). Als regelbesteuerte Betreiber:in einer PV-Anlage erstellst du oder deine Steuerberater:in nun bis zum 10. jedes Monats eine Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Vormonat und lässt diese dem Finanzamt zukommen.

Darin wird die gezahlte Vorsteuer von der vereinnahmten Umsatzsteuer abgezogen. Wenn daraufhin unter dem Strich ein Plus übrig bleibt, geht dieser Betrag per Umsatzsteuernachzahlung an das Finanzamt. Bleibt ein negativer Betrag, erhältst du diesen als Erstattung vom Finanzamt zurück. Hier ein Beispiel für eine mögliche Nachzahlung:

VerwendungszweckEinnahmen (+) / Ausgaben (-)Darin enthaltene Umsatzsteuer (+) / Vorsteuer (-)
Einspeisevergütung+ 40,46 Euro pro Monat+ 6,46 €
Eigenverbrauch+ 96,3 €+ 15,38 €
Anfertigung Umsatzsteuer-Voranmeldung durch Steuerberater- 43,79 €- 6,99 €
Umsatzsteuernachzahlung+ 14,85 €

Die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung

Die Alternative zur Regelbesteuerung ist die Kleinunternehmerregelung. Wenn deine Umsätze im laufenden Jahr 22.000 Euro Euro nicht überschreiten und im Folgejahr unter 50.000 Euro liegen, giltst du als Kleinunternehmer:in und musst keine Umsatzsteuer abführen.

Mit dem Betrieb der PV-Anlage alleine, wirst du diese Grenze nie erreichen. Allerdings werden bei der Prüfung der Grenzen die Umsätze aus all deinen gewerblichen Tätigkeiten addiert. Falls du also neben dem Betrieb deiner PV-Anlage noch selbstständig oder freiberuflich tätig bist, könnte es sein, dass du die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen kannst.

Liegst du unter diesen Höchstgrenzen, kannst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Teilst du dies deinem Netzbetreiber mit, erhältst du die Einspeisevergütung als Nettobetrag und musst keine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Dadurch bist du einerseits von der Pflicht zur Nachzahlung von Umsatzsteuer an das Finanzamt befreit; andererseits kannst du dir aber auch keine Vorsteuer – bspw. auf den Kauf deiner PV-Anlage – zurückerstatten lassen.

Vorteile der Regelbesteuerung von PV-Anlagen

Ausgehend davon, dass du möglichst wenig Aufwand und Kosten durch die Besteuerung deiner PV-Anlage haben möchtest, ergeben sich folgende Vorteile der Regelbesteuerung. Übrigens betrachten wir hier nur die Vorteile, da das Fehlen der im nachfolgenden Abschnitt genannten Vorteile der Kleinunternehmerregelung gleichzeitig die Nachteile der Regelbesteuerung darstellt.

  • Entscheidest du dich für die Umsatzsteuerpflicht, profitierst du von der Vorsteuerrückerstattung. Tatsächlich bedeutet das für dich einen Netto-Anschaffungspreis, da dir das Finanzamt die Mehrwertsteuer erstattet. Auch bei möglichen Wartungs- oder Reparaturarbeiten kannst du dir die Mehrwertsteuer erstatten lassen, sofern du dich nicht für die Kleinunternehmerregelung entscheidest.
  • Der Aufwand, den du betreiben musst, um deine PV-Anlage umsatzsteuerlich zu betreiben, ist verhältnismäßig gering. Über einen hohen bürokratischen Aufwand musst du dir grundsätzlich keine Sorgen machen. In den ersten zwei Jahren der Laufzeit deiner Anlage bist du zur Abgabe einer Vorsteueranmeldung und zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung verpflichtet. Nach den ersten beiden Jahren ist für die Finanzämter ausreichend, wenn du die Umsatzsteuererklärung abgibst.
  • Die Einspeisevergütung nach dem EEG erhältst du bei einer umsatzsteuerpflichtigen Solaranlage vom Netzbetreiber zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das bedeutet für Photovoltaikanlagen bis 10 kWp Leistung: 6,53 Cent + 1,24 Cent = 7,77 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom (Stand: April 2022). Die Mehrwertsteuer wandert allerdings nicht in deine eigene Tasche, du musst sie ans Finanzamt abführen. Der Netto-Betrag der Vergütung gehört dir.
  • Du hast mit deiner Photovoltaikanlage in der Regelbesteuerung also vor allem einen Vorteil bei den Kosten für Anschaffung, Wartung und Reparatur. Für diese musst du letztlich nur den Nettopreis zahlen, während dein Vergütungssatz für eingespeisten Strom dieselbe Höhe hat, wie in der Kleinunternehmerregelung.
  • Unmittelbar nach Kauf der Solaranlage selbst, kannst du dir die darauf gezahlte Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückerstatten lassen. Da die Anlage in der Regel erst einige Zeit später in Betrieb geht, gibt es in diesem Monat auch keine Umsatzsteuer, die mit der Vorsteuer zu verrechnen wäre. Das heißt, du erhältst in diesem Fall die auf die Anlage gezahlte Vorsteuer in Höhe von mehreren tausend Euro zurück.
  • Genauso kannst du dir die Vorsteuer auf im Betrieb der PV-Anlage anfallende Kosten erstatten lassen, also bspw. Kosten für: Wartungen, Reparaturen, Versicherungen, Steuerberater:in, die deine Umsatzsteuer-Voranmeldung und Umsatzsteuerjahreserklärung anfertigt, Gebühren für Messstellenbetrieb deines Netzbetreibers etc.
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Vorteile der Kleinunternehmerregelung bei PV-Anlagen

Nochmal zur Erinnerung: hier betrachten wir nur Vorteile; wenn du dir die Nachteile der Kleinunternehmerregelung bewusst machen willst, schau dir einfach die Vorteile der Regelbesteuerung oben an – die fehlen der Kleinunternehmerregelung (und umgekehrt):

  • Als Kleinunternehmer bist du von der Pflicht zur Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung pro Monat sowie einer Umsatzsteuerjahreserklärung befreit.
  • Ebenso musst du keine Umsatzsteuer an das Finanzamt nachzahlen – weder für die Einspeisevergütung, da der Netzbetreiber dir diese ohne Vorsteuer zusätzlich auszahlt; noch für Eigenverbrauch.

Wie du aus diesen Vorteilen vielleicht schon kombiniert hast, lohnt sich die Regelbesteuerung aufgrund der Absetzbarkeit des Kaufs der PV-Anlage eher am Anfang. Im laufenden Betrieb ist die Kleinunternehmerregelung meist günstiger, da du damit die aus Einspeisung und Eigenverbrauch entstehenden Umsatzsteuer-Nachzahlungen an das Finanzamt nicht leisten musst

Deshalb kann es sich lohnen, aus der anfänglichen Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregelung zu wechseln. Dieser Schritt ist rechtlich erst nach fünf Jahren gewerblicher Tätigkeit und jeweils zum Anfang des Kalenderjahres möglich. Lass dich hierzu bitte für deinen individuellen Fall von einer Steuerfachperson beraten.

Photovoltaikanlage und Einkommensteuer

Eine Einkommensteuerjahreserklärung reichst du in der Regel ja auch jetzt schon beim Finanzamt ein. Auch durch den Betrieb einer Solaranlage ändert sich an diesem Intervall nichts, allerdings bist du grundsätzlich verpflichtet ein weiteres Formular – die sogenannte Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) - beim Finanzamt einzureichen.

Denn: in der Einkommenssteuererklärung listest du deine Einnahmen und Ausgaben sowie deine bereits gezahlte Einkommenssteuer (Lohnsteuer, Kapitalertragssteuer etc.) für das Jahr auf – und auf Grundlage dieser Angaben berechnet das Finanzamt, ob du eine Einkommenssteuererstattung bekommst oder nachzahlen musst. Zu diesen Einnahmen gehören neben deiner beruflichen Tätigkeit grundsätzlich auch die erhaltene Einspeisevergütung sowie der von dir verbrauchte Solarstrom aus einer PV-Anlage.

Wichtig ist außerdem: Die einkommenssteuer- und umsatzsteuerrechtliche Behandlung deiner PV-Anlage bedingen sich nicht gegenseitig. Selbst wenn du durch die Kleinunternehmerregelung von der Umsatzsteuer befreit sein solltest, bist du trotzdem grundsätzlich einkommensteuerpflichtig.

Um dem Finanzamt einen Überblick über deine PV-bezogenen Einnahmen und Ausgaben zu geben, füllst du parallel zu deiner jährlichen Einkommenssteuererklärung die eine Einnahmenüberschussrechnung (offiziell die “Anlage EÜR”) aus.

Hier ein kurzer Überblick mit den wichtigsten Infos zur Einnahmenüberschussrechnung:

  • Was ist die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)?
    Alle Einnahmen aus deiner gewerblichen Tätigkeit werden in dieser Berechnung den Betriebsausgaben gegenübergestellt, um den einkommenssteuerlich relevanten Gewinn zu berechnen. Bei einer Photovoltaikanlage gelten zum Beispiels erhaltene Zuschüsse (Fördergelder), die Einspeisevergütung und der Eigenverbrauch als Betriebseinnahmen; als Betriebsausgaben kommen bspw. Instandhaltungsmaßnahmen und die Anschaffungskosten infrage (wobei die Anschaffungskosten über mehrere Jahre abgeschrieben werden müssen).
  • Wann muss ich die EÜR abgeben?
    Einmal jährlich und im Rahmen deiner Einkommensteuererklärung. Die Frist dazu liegt ohne Mitarbeit einer Steuerberatung Ende August des Folgejahres und bei Mitarbeit einer Steuerberatung Ende Mai des zweiten Folgejahres.
  • Für welchen Zeitraum muss ich die EÜR abgeben?
    Der Veranlagungszeitraum ist in der Regel das vorangegangene Kalenderjahr.
  • Wie muss ich die EÜR abgeben?
    Die Einreichung der Unterlagen erfolgt in der Regel elektronisch über ELSTER.
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Liebhaberei: Die einkommensteuerliche Befreiung von PV-Anlagen

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass wir weiter oben bereits drei Mal von der “grundsätzlichen” Pflicht zur Zahlung von Einkommensteuer auf Gewinne aus einer PV-Anlage gesprochen haben. Grund dafür ist, dass du von der Einkommenssteuer befreit bist, wenn aus Sicht des Finanzamts beim Betrieb einer Photovoltaikanlage eindeutig keine Gewinnerzielungsabsicht besteht:

Gemäß eines Beschlusses des Bundesfinanzministeriums können sich Betreiber:innen einer PV-Anlage mit bis zu 10 kWp installierter Leistung von der Pflicht zur Abgabe einer EÜR – und damit von der Pflicht zur Zahlung von Einkommenssteuer auf PV-Gewinne – befreien lassen.

Übrigens: Den Vor- und Nachteilen einer Photovoltaikanlage unter 10 kWp haben wir einen eigenen Artikel gewidmet. Grund dafür ist die stark gesunkene Einspeisevergütung, welche für die Finanzämter nahelegt, dass Solaranlagen heute nicht mehr aus Gewinnerzielungsabsicht installiert werden, sondern vorrangig dem Eigenverbrauch dienen.

Um diese sogenannte Vereinfachungsregel in Anspruch zu nehmen, braucht es nur einen schriftlichen, formlosen Antrag beim Finanzamt. In diesem Schreiben teilst du mit, dass du die Photovoltaikanlage nicht mit der Absicht einer Gewinnerzielung betreibst und daher die Vereinfachungsregel nutzen möchtest. Zusätzlich sollte das Schreiben angeben, wo die Anlage steht, wann sie in Betrieb genommen wurde und welche Leistung sie hat.

Die Entscheidung, die Vereinfachungsregel für deine Solaranlage in Anspruch zu nehmen, ist freiwillig. Sie entbindet dich davon, eine Einnahmenüberschussrechnung anzufertigen und Einkommenssteuer auf deine PV-Anlage zu zahlen; andererseits kannst du aus ihr so auch keine einkommenssteuerlichen Vorteile generieren – denn das funktioniert wie im folgenden Abschnitt beschrieben.

Einkommenssteuerlast durch Photovoltaikanlage senken?

Ja, das geht – und zwar sofern in deiner auf die PV-Anlage bezogenen EÜR ein negativer Betrag, also ein Verlust, herauskommt. Dieser Verlust würde von deinen restlichen Einnahmen (aus Beruf, Kapitalerträgen etc.) abgezogen und damit die von dir zu zahlenden Einkommenssteuer senken. (Sofern du im Lauf des Jahres dann schon mehr Lohnsteuer etc. als eigentlich nötig an das Finanzamt vorausgezahlt hättest, würdest du sogar eine Rückzahlung vom Finanzamt erhalten.)

Wichtig zu unterscheiden ist jedoch: Ein einkommenssteuerlicher Verlust bedeutet nicht, dass deine Solaranlage nicht zu deinem finanziellen Vorteil arbeitet. Denn der primäre Zweck einer PV-Anlage besteht ja darin, deine Stromkosten zu senken – und das tut sie. Denn Solarstrom kostet dich ca. 8 bis 11 statt 35 Cent pro kWh für Strom aus dem öffentlichen Netz (Stand: März 2022). Allerdings wirst du auch mit einer PV-Anlage noch für deinen Strom zahlen und nicht plötzlich zum Energieversorger, der damit unter dem Strich Gewinne erzielt. So arbeitet deine Anlage wirtschaftlich, auch wenn sich in der EÜR ein Verlust ergibt, zum Beispiel so:

VerwendungszweckEinnahmen (+) / Ausgaben (-)In EÜR aufgeführte Einnahmen (+) / Ausgaben (-)
Kauf einer PV-Anlage mit Speicher- 23.536 Euro- 1.882,88 Euro
Einspeisevergütung+ 408 Euro pro Jahr+ 408 Euro pro Jahr
Eigenverbrauch+ 1.155,60 Euro+ 1.155,60 Euro
- 319,28 Euro

Wie kann ich den Kauf einer PV-Anlage einkommenssteuerlich absetzen?

Warum wir in der obigen, völlig fiktiven EÜR, nicht den kompletten Kaufbetrag der Anlage einkommenssteuerlich absetzen konnten, sondern nur einen kleinen Teil – in diesem Fall 8 Prozent? Grund dafür ist, dass eine Photovoltaikanlage in der Steuererklärung über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren als selbständiges Wirtschaftsgut abgeschrieben werden muss – und für diese Abschreibung gibt es verschiedene Modelle, von denen zwei die Mehrheit der Fälle abdecken sollten:

  • Bei der linearen Abschreibung für die Abnutzung (AfA) kannst du die Kosten zur Anschaffung der Photovoltaikanlage auf 20 Jahresbeträge verteilen. Das bedeutet, dass du jedes Jahr 5 Prozent der Kosten in deiner Steuererklärung als Ausgaben absetzen kannst. Eventuelle Fördermittel oder Zuschüsse müssen allerdings von den Kosten abgezogen werden.
  • Innerhalb der ersten 5 Jahre hast du die Möglichkeit, die sogenannte Sonderabschreibung zu nutzen, um den steuerlich relevanten Gewinn zu reduzieren. Bei der Sonderabschreibung kannst du 20 Prozent der Anschaffungskosten frei auf die ersten 5 Jahre verteilen. Den restlichen Betrag musst du dann gleichmäßig auf die verbleibende Nutzungsdauer abschreiben, sodass nach Ablauf der 20 Jahre die volle Kaufsumme in Abzug gebracht worden ist.
  • Wenn du die umsatzsteuerliche Regelbesteuerung gewählt hast, kannst du nur die Nettokosten des Kaufs abschreiben. Wählst du die Kleinunternehmerregelung, kannst du für die Abschreibung den Bruttobetrag der Rechnung berücksichtigen.
Familie im Wohnzimmer - PV-Anlage einkommenssteuerlich absetzen

Photovoltaik ohne Steuern – geht das?

Ja, das geht – auf zwei Arten:

  1. Wählst du die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung und kannst einkommenssteuerrechtlich aufgrund der Größe deiner PV-Anlage Liebhaberei beantragen, musst du auf deine Solaranlage weder Steuern zahlen noch Steuererklärungen einreichen.
  2. Eine Nulleinspeiseanlage ist nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, wodurch eine Einspeisung oder aber der Verkauf von deinem selbst erzeugten Strom ausgeschlossen ist und damit aus Sicht des Finanzamts die Gewinnerzielungsabsicht entfällt. Dadurch ist die Anlage steuerlich nicht relevant. (Interessanterweise entfällt bei Nulleinspeiseanlagen auch die steuerliche Relevanz des Eigenverbrauchs, der ja trotzdem gegeben ist.)

Solaranlage zur Miete – was ändert sich steuerlich?

Unabhängig davon, ob du eine gekaufte oder gemietete Solaranlage betreibst, gelten dieselben steuerrechtlichen Regelungen. Das heißt: Sofern du Strom ins öffentliche Netz einspeist und dafür eine Einspeisevergütung erhältst, unterliegst du grundsätzlich der Umsatz- und der Einkommensteuerpflicht.

Auch bei der Miete kannst du – unter den gleichen Voraussetzungen wie beim Kauf – von den Ausnahmen der:

  • umsatzsteuerbefreienden Kleinunternehmerregelung und
  • einkommenssteuerbefreienden Liebhaberei

Gebrauch machen.

Der hauptsächliche Unterschied zwischen dem Kaufen und der Miete einer Solaranlage liegt in der Kostenverteilung des Kaufs und damit der Verteilung von Umsatz- und Einkommenssteuer über den Mietzeitraum hinweg. Denn während du als (umsatzsteuerlich) regelbesteuerter und (einkommenssteuerlich) nicht-liebhabender PV-Mieter jeden Monat den geringeren Mietbetrag steuerlich geltend machen kannst; kannst du als Kaufender im ersten Monat den kompletten Kaufbetrag steuerlich zum Abzug bringen.

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Fazit

  • Wer eine Solaranlage betreibt und Strom ins öffentliche Netz einspeist, handelt grundsätzlich mit Gewinnerzielungsabsicht. Das bedeutet, dass die Photovoltaikanlage umsatzsteuerlich beim Finanzamt anzumelden ist.
  • Bei dieser Anmeldung kannst du zwischen Regelbesteuerung – bedeutet unter anderem administrativen Aufwand aber erlaubt auch die Rückerstattung der Umsatzsteuer auf den Kauf der Anlage – und Kleinunternehmerregelung – verbietet die Rückerstattung der Steuer auf den Kauf, entbindet dafür aber auch von der Erstellung jeglicher Umsatzsteuererklärungen – wählen.
  • Eine einspeisenden Anlage ist aus demselben Grund wie oben für deren Betreiber:innen grundsätzlich einkommenssteuerpflichtig.
  • Auch hier kann für Anlagen bis 10 kWp beim Finanzamt eine Befreiung von der Einkommenssteuerpflicht beantragt werden – die sogenannte Liebhaberei. Damit entfällt die Pflicht zur Abgabe einer Einnahmenüberschussrechnung im Rahmen der jährlichen Einkommenssteuererklärung; andererseits kann ein möglicher steuerlicher Verlust der Anlage dann auch nicht zur Senkung der Steuerlast der Betreiber:innen genutzt werden.
  • Da Gewerbesteuer erst ab einem Jahresgewinn über 24.500 Euro fällig wird und diese Größenordnungen auf heimischen Einfamilienhäusern unerreichbar sind, sind Betreiber:innen einer PV-Anlage für den Hausgebrauch in aller Regel nicht gewerbesteuerpflichtig.

Das Thema Steuern und Photovoltaikanlagen ist zwar weniger kompliziert als viele zunächst denken, jedoch ist der Austausch mit einer Steuerberatung hilfreich und anzuraten. Bitte beachte, dass wir im Rahmen unseres Artikels nur allgemeingültige Aussagen ohne Gewähr treffen können. Deine Steuerberatung kann deine individuelle Situation am besten beurteilen und eine passende Herangehensweise für dein Solarprojekt erarbeiten.