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Sonnenklar? Die häufigsten Irrtümer über PV-Anlagen

20.05.2021 Joana Eichert Lesezeit 8 Minuten

Photovoltaik-Irrtümer sind weit verbreitet. Sie sorgen oft dafür, dass Solaranlagen als weniger umweltfreundlich, kostenintensiv oder unwirtschaftlich gelten. Eigentlich jedoch produzierst du mit einer eigenen Solaranlage auf dem Hausdach umweltfreundlichen Strom, der nicht nur das Klima, sondern auch deinen Geldbeutel schont. Aus diesem Grund räumen wir heute mit den 12 häufigsten Irrtümern über Photovoltaikanlagen auf und schaffen Klarheit!


Das erwartet dich in diesem Artikel:


  1. Für eine PV-Anlage muss man ein Gewerbe anmelden
  2. Solaranlagen zahlen sich erst nach unendlich vielen Jahren aus
  3. Die Energie der Herstellung von Solarmodulen ist viel höher als die erzeugte Solarenergie und sorgt für schädliche CO2-Emissionen
  4. Solarstrom hat keine Zukunft, weil die Rohstoffe für die Herstellung endlich sind
  5. Solarmodule sind nicht recyclebar
  6. PV lohnt sich nur auf einem Dach mit Südausrichtung
  7. In Deutschland scheint zu wenig Sonne für eine Solaranlage
  8. Mit Solaranlagen wird tagsüber und nur bei klarem Himmel Strom erzeugt, nachts fehlt er dann komplett
  9. PV-Anlagen sind sehr teuer
  10. Die Installationszeit einer Solaranlage ist sehr lang
  11. Nach 20 Jahren lohnt sich die Anlage nicht mehr, weil sich die Module abnutzen
  12. Solarmodule müssen aufwändig gereinigt werden
  13. Fazit


Über Solaranlagen auf dem Hausdach gibt es viele Irrtümer

1. Für eine PV-Anlage muss man ein Gewerbe anmelden

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, verbraucht heutzutage den meisten Solarstrom selbst. Einen Restromteil speisen aber in der Regel alle Solaranlagenbetreiber ins öffentliche Netz ein und werden dadurch zu Energielieferanten - mit einer Vergütung nach dem aktuellen Einspeisesatz. Das macht Privatpersonen jedoch nicht automatisch auch zu Gewerbetreibenden. Ab einem erzielten Gewinn von mehr als 24.500 Euro im Jahr, müssen private Betreiber einer Solaranlage diese als Gewerbe anmelden. In der Regel wirst du mit deiner Einspeisevergütung für Solarstrom im öffentlichen Netz diese Grenze nicht überschreiten, sofern deine PV-Anlage für den Eigenverbrauch konzipiert wurde. In der Ausarbeitung der „Installationspflicht für Photovoltaikanlagen unter gewerblichen Gesichtspunkten“ der wissenschaftlichen Dienste des deutschen Bundestags wird darauf hingewiesen, dass die Entscheidung, ob und wann eine PV-Anlage ein Gewerbe ist, abhängig vom Bundesland ist.

Solarmodule auf dem Dach

2. Solaranlagen zahlen sich erst nach unendlich vielen Jahren aus

Falsch. Jede eingesparte Kilowattstunde Netzstrom spart bares Geld. Für eine Kilowattstunde Strom aus dem öffentlichen Netz zahlst du derzeit 31,89 Cent (Stand Mai 2021). Im Gegensatz dazu kostet dich eine Kilowattstunde Solarstrom nur 8-10 Cent. Nach durchschnittlich acht bis zehn Jahren hat sich deine Solaranlage amortisiert, bei einer Lebenserwartung von rund 30 Jahren. Das bedeutet, die Anschaffungskosten haben sich durch die eingesparten Stromkosten und die Erträge aus der Einspeisevergütung gedeckt. Von nun an produzierst du deinen Strom kostenlos.

3. Die Energie der Herstellung von Solarmodulen ist viel höher als die erzeugte Solarenergie und sorgt für schädliche CO2-Emissionen

Würde die Herstellung von Solarmodulen mehr Energie verbrauchen, als die Solaranlage im Laufe ihrer Betriebszeit erzeugt, wären Photovoltaikanlagen umweltschädigend. Doch dem ist nicht so. Die Energie, die zur Herstellung der Solarmodule aufgewandt werden muss, ist nach durchschnittlich zwei Jahren von der Solaranlage bereits erwirtschaftet worden. Die Lebensdauer eines Solarmoduls von 20-30 Jahren verdeutlicht, dass die Solaranlage zehnmal so viel Energie erzeugt, als für ihre Herstellung verwendet werden musste. Mit dieser Bilanz sind Solaranlagen eine der umweltfreundlichsten Stromlieferanten der Welt.

Solarmodule haben eine lange Garantie

4. Solarstrom hat keine Zukunft, weil die Rohstoffe für die Herstellung endlich sind

Solarstrom hat keine Zukunft, weil die Rohstoffe für die Herstellung endlich sind Für die Herstellung von Solarmodulen – sowohl bei der wafer- als auch bei der dünnschichtbasierten Technologie – ist Silizium der wichtigste Rohstoff. Anders als oft vermutet, ist Silizium ein beinahe unerschöpflicher Rohstoff, da ein Viertel der Erdkruste genau daraus besteht. Ebenfalls wichtig für die Herstellung von Solarmodulen sind Aluminium und Silber. Diese Rohstoffe werden jedoch im Herstellungsprozess von Solarmodulen nur in sehr geringen Mengen benötigt, weshalb eine Ausschöpfung der Metalle durch die Solarindustrie in weiter Ferne liegt. Um Engpässe von vornherein zu vermeiden, ist bereits erfolgreich die Ersetzung von Silber durch andere Rohstoffe, beispielsweise Kupfer, erprobt worden.

5. Solarmodule sind nicht recyclebar

Diese Annahme ist nicht korrekt. In Deutschland ist das Recycling von Solarmodulen sogar gesetzlich geregelt. Grundsätzlich ist im Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) die Rücknahmepflicht seitens der Hersteller festgelegt. Der Recyclingprozess selbst ist verhältnismäßig einfach, da Solarmodule zu großen Teilen aus Glas bestehen, welches ohne nennbare Verluste wiederwendet werden kann. Die anderen Komponenten eines Solarmoduls werden sortiert und in ihre jeweiligen Bestandteile zerlegt. Da es sich bei diesen Bauteilen um Kabel, Aluminium für den Rahmen oder metallene Befestigungen handelt, ist die Wiederverwendung unkompliziert und kann umweltschonend vorgenommen werden. Ein Prozent der Baumasse von Solarmodulen besteht aus Silizium, Kupfer, Silber, Zink, Kadmium und Blei, welche mit Kunststoff verschweißt werden. Da eine Trennung aufwändig ist und die Verbrennung wirtschaftlicher für die Unternehmen, arbeitet die Wissenschaft bereits an einer Technik für den Bau von Solarmodulen ohne Schweißarbeiten. Beinahe alle verwendeten Baumaterialien können in den Recyclingkreislauf von Solarmodulen integriert werden und sorgen für eine steigende Umweltfreundlichkeit in der Herstellung von Solaranlagen.

Photovoltaikanlagen mit Recycling-Anteil

6. PV lohnt sich nur auf einem Dach mit Südausrichtung

Dass sich ausschließlich Solaranlagen auf Süddächern lohnen, ist nicht korrekt. Auch mit einer Ost-West-Belegung des Daches ist der Ertrag von Solaranlagen hoch. Die aus einer möglicherweise geringeren Sonneneinstrahlung resultierende niedrigere Stromerzeugung, kann durch eine Maximalbelegung der Dachfläche und Moduloptimierer kompensiert werden. Sogar eine Belegung des Norddaches kann für zusätzlichen Solarstrom sorgen.

7. In Deutschland scheint zu wenig Sonne für eine Solaranlage

Die Sonneneinstrahlung in Deutschland ist zwar geringer als in südlicheren Gebieten, reicht jedoch vollkommen aus, um eine effektive Solarstromerzeugung zu gewährleisten. Mit einer Dachbelegung über durchschnittlich 8 Quadratmeter könnte sich ein 1-Personen-Haushalt bereits mit Solarstrom versorgen. Hinzu kommt die erhöhte Effektivität in der Produktion von Strom bei niedrigeren Temperaturen. Je kühler die Außentemperatur, desto wirtschaftlicher arbeitet das Solarmodul. Mit einer Maximalbelegung des Hausdaches kann in Deutschland problemlos der benötigte Strom für einen mehrköpfigen Haushalt gewonnen werden.

Mit Solaranlage rund um die Uhr Solarstrom nutzen

8. Mit Solaranlagen wird tagsüber und nur bei klarem Himmel Strom erzeugt, nachts fehlt er dann komplett

Auch wenn Sonnenstrahlen eine Wolkendecke durchdringen müssen, reicht der Strahlungsanteil der Globalstrahlung in Deutschland aus, um Strom zu produzieren. Anders als oft angenommen, durchdringt Sonnenlicht eine Wolkendecke und fällt auf die Solarmodule. Eine andere große Sorge vieler Menschen ist die tageszeitabhängige Stromproduktion. Zwar wird nachts kein Solarstrom produziert, aber mittels Stromspeicher lässt sich der tagsüber produzierte und nicht verbrauchte Solarstrom einlagern und in den Abendstunden verbrauchen. Grundsätzlich sind Solaranlagenbetreiber auch nicht vom öffentlichen Stromnetz abgekoppelt. Eine zusätzliche Nutzung von Netzstrom ist jederzeit möglich, kann jedoch durch den Verbrauch der produzierten und zusätzlich gespeicherten Solarenergie auf ein Minimum reduziert werden und sorgt so für eine hohe Ersparnis und zuverlässige Nutzung von umweltfreundlichem Strom. Auch wenn der Speicher voll ist und Strom erzeugt aber nicht verbraucht wird, wird dieser automatisch ins öffentliche Netz eingespeist und sorgt durch die gesetzlich geregelte Einspeisevergütung für Einnahmen.

Stromproduktion PV-Anlage

9. PV-Anlagen sind sehr teuer

Der Anschaffungspreis einer Solaranlage mit mehreren tausend Euro erscheint zunächst hoch. Durch die gewonnenen Einsparungen pro Kilowattstunde Strom bei Verbrauch von Solarenergie im Gegensatz zu Netzstrom, amortisieren sich die Kosten für den Kauf nach durchschnittlich acht Jahren. Wird beispielsweise eine Solaranlage mit einer installierten Leistung von 3 kWp auf dem Dach montiert, belaufen sich die Anschaffungskosten auf ca. 5700 Euro. Diese Anlage produziert im Schnitt jährlich 2830 kWh Solarstrom, was in etwa dem Jahresverbrauch eines 3-Personen-Haushaltes entspricht. Zusätzlich unterstützen bundesweite Photovoltaik-Förderungen PV-Interessierte finanziell bei der Anschaffung.

10. Die Installationszeit einer Solaranlage ist sehr lang

Im Gegensatz zum weit verbreiteten Irrglauben, dass die Installation einer Solaranlage rund sechs Tage dauert, beträgt die durchschnittliche Installationszeit heutzutage ein bis zwei Tage. Innerhalb dieses Zeitraumes werden sowohl das Gerüst auf- und wieder abgebaut als auch die Solarmodule auf dem Dach befestigt und die nötige Elektronik im Haus verlegt und angeschlossen. In einigen Fällen dauert die Bearbeitung der Netz- und Einspeisezusage seitens des Netzbetreibers unerwartet lange. Dieser Vorgang kann jedoch nicht beschleunigt werden, da das Installationsunternehmen und auch die Betreiber der Solaranlage keinen Einfluss auf den Prozess nehmen können.

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11. Nach 20 Jahren lohnt sich die Anlage nicht mehr, weil sich die Module abnutzen

Die Degradation von Solarmodulen wird von den Herstellern im jeweiligen Produktdatenblatt angegeben. Liest man dieses aufmerksam, wird man feststellen, dass die meisten Hersteller eine Leistung von mehr als 80 % nach 25-30 Jahren garantieren. Grundsätzlich kann von einem Leistungsverlust über ca. 0,1 Prozent pro Jahr ausgegangen werden. Daraus abgeleitet kann eine Solaranlage durchaus 30 bis 40 Jahre eine wirtschaftliche Betriebszeit aufweisen. Bedenkt man die Amortisationszeit der Herstellungsenergie von etwa zwei Jahren und der ausgeglichenen Anschaffungskosten nach etwa acht Jahren, erwirtschaftet man mit einer Solaranlage mindestens 20 Jahre günstigen und umweltfreundlichen Strom.

Solaranlagen reinigen ist selten notwendig

12. Solarmodule müssen aufwändig gereinigt werden

In der Regel müssen Solarmodule nicht gereinigt werden. Verschmutzungen wie Staub oder Pollen werden aufgrund der glatten Oberflächenstruktur problemlos durch den nächsten Regenschauer beseitigt. Auch hartnäckigere Verschmutzungen durch beispielsweise Vogelkot, tragen sich im Laufe der Zeit von allein ab. Damit durch ein verschmutztes Modul die Photovoltaikanlage keine Erzeugungseinbußen verbucht, wird ein Maximum-Power-Point-Tracker in dein Solarsystem integriert.

Fazit

Leider halten sich viele Gerüchte über Photovoltaik-Anlagen hartnäckig und lassen viele Interessenten vor dem Kauf einer Solaranlage zurückschrecken. Dabei ist die Solarenergie mittlerweile eine der sichersten sowie günstigsten Alternativen, Strom nicht nur zu erzeugen, sondern vor allem auch zu verbrauchen. Neben dem ökologischen Aspekt der Umweltfreundlichkeit spielen somit auch ökonomische Vorteile eine starke Rolle.

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Tags: PV-Anlage
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