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„Earth Overshoot Day“ – Wenn eine Erde nicht mehr reicht

29.07.2019 Kevin Murkisch Lesezeit 8 minutes

Heute, am 29. Juli 2019 ist es wieder soweit: Der "Earth Overshoot Day" ist erreicht. Damit fällt der Erderschöpfungstag, wie er hierzulande heißt, auf das früheste Datum in der Geschichte der Menschheit. Die Ressourcen der Erde, die in einem Jahr “nachwachsen” können, wurden nach knappen sieben Monaten bereits schon wieder verbraucht, so schnell wie nie zuvor.

Aus ökologischer Sicht bedeutet das, dass wir Menschen über unseren Verhältnissen leben. Die Biokapazität der Erde reicht bei unserer aktuellen Lebensweise nicht mehr aus, um der wachsenden Bevölkerungszahl gerecht zu werden. Bereits über 7,5 Milliarden Menschen leben auf unserem Planeten, die Vereinten Nationen rechnen mit mehr als 11 Milliarden bis zum Jahr 2100.

Mit der wachsenden Bevölkerung wächst dabei auch der Pro-Kopf-Verbrauch. Die internationale Organisation "Global Footprint Network" geht deshalb davon aus, dass der Erdüberlastungstag in den kommenden Jahren noch deutlich früher erreicht werden könnte. Um dies zu verhindern, müssen Maßnahmen getroffen werden, die den ökologischen Fußabdruck des Menschen verringern.

Earth Overshoot Day


Was ist der Earth Overshoot Day?

Der Earth Overshoot Day, der einst als Ecological Debt Day bekannt war, bezeichnet stets den Tag des laufenden Jahres, an welchem die Nachfrage nach erneuerbaren Rohstoffen die Kapazität der Erde zur Reproduktion eben dieser übersteigt. Damit entspricht diese Nachfrage dem globalen ökologischen Fußabdruck der Menschen innerhalb des betreffenden Jahres.

Um das Datum des Earth Overshoot Day zu berechnen, wird nun eben dieser ökologische Fußabdruck in ein Verhältnis zur Biokapazität der Erde gesetzt. Dabei wird die jährliche Ressourceninanspruchnahme des Menschen auf eine entsprechende Anzahl Erden hochgerechnet. Das bedeutet: Es wird berechnet, wie viele Erden benötigt würden, um die Nachfrage der Menschheit nach biologischen Ressourcen zu decken.

Dabei ergeben sich bedenkliche Zahlen: So betrug der Verbrauch in Erde-Einheiten im Jahr 1961 noch 0,73. Der globale ökologische Fußabdruck war somit geringer als die globale Biokapazität. Doch schon zehn Jahre später wurden mehr Ressourcen verbraucht als nachwachsen können - und der Bedarf an Erden steigt. So wären im Jahr 2017 bereits 1,7 Erden notwendig gewesen, in diesem Jahr sind es bereits 1,75.

Erdüberlastungstag


Deutscher Earth Overshoot Day bereits am 3. Mai 2019

Der weltweite Ressourcenverbrauch ist somit deutlich zu hoch. Doch ein Blick auf die einzelnen Staaten zeigt: Es könnte noch viel schlimmer kommen. So berechnen die Forscher nicht nur den Earth Overshoot Day für den gesamten Globus. Auch stellen sie Berechnungen an, wann der Erderschöpfungstag erreicht sein würde, wenn der weltweite Verbrauch dem eines einzelnen Staates entspräche.

Das Ergebnis ist schockierend. Würde die gesamte Weltbevölkerung beispielsweise leben wie Katar, so wären die globalen Ressourcen bereits am 11. Februar dieses Jahres verbraucht gewesen. Zum Vergleich: Ausgehend von einem Verbrauch Indonesiens wäre der Earth Overshoot Day erst am 18. Dezember erreicht, die globalen ökologischen Ressourcen hätten somit nahezu ausgereicht.

Erderschöpfungstag

Selbst das kleine Land Luxemburg hatte bereits am 16. Februar einen höheren Ressourcenverbrauch als durch die Erde gedeckt werden kann. Auch die USA leben fernab eines nachhaltigen Konsums und haben den nationalen Earth Overshoot Day bereits am 15. März erreicht. Fünf Erden wären somit notwendig, um den Ressourcenverbrauch der Amerikaner, hochgerechnet auf die gesamte Weltbevölkerung, zu decken.

Doch auch Deutschland nimmt im internationalen Vergleich keine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Schon am 03. Mai 2019 wurden hierzulande sämtliche erneuerbare Ressourcen verbraucht, die für dieses Jahr zur Verfügung standen. Zur nachhaltigen Deckung des deutschen Ressourcenverbrauchs wären somit drei Erden notwendig.

Familie


Woher kommt der hohe Ressourcenverbrauch?

Die Zahlen verdeutlichen: Wir leben aus ökologischer Sicht über unseren Verhältnissen und gefährden damit nicht nur zukünftige Generationen. Auch müssen vor allem Menschen im globalen Süden den Preis für die oftmals verschwenderische Lebensweise großer Industrienationen zahlen. Denn sie verbrauchen deutlich weniger Ressourcen, sind jedoch stärker von den ökologischen Folgen betroffen.

Doch woher kommt der hohe Ressourcenverbrauch? Die Antwort liegt im weltweiten Wirtschaftswachstum, das bislang ohne jegliche Rücksicht auf erneuerbare Ressourcen vorangeschritten ist. Denn nicht selten wird Umweltschutz als Wirtschaftshemmnis gesehen. Kurzfristige Profite sind meist wichtiger als der Kampf gegen die Klimakrise.

Klimawandel

Die weltweit wachsende Wirtschaft ist dabei eine direkte Folge der wachsenden Bevölkerungszahl. Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto größer wird der Bedarf an Energie und Nahrung. Dies führt zur Abholzung der Wälder, Überfischung der Weltmeere und zu einer massiven Ausbeutung der Weide- und Ackerflächen. Die Artenvielfalt geht zurück, der Klimawandel schreitet voran und die Menge an produziertem Müll nimmt weltweit zu.

Hinzu kommen die Treibhausgase, die immer noch zu großen Teilen bei der Erzeugung von Energie durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas entstehen. Vor allem in Städten ist der Energiebedarf dabei besonders hoch. Schätzungen zufolge könnten jedoch bis zum Jahre 2050 rund 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die natürlichen Kreisläufe, die bereits jetzt nicht mehr genug Emissionen aufnehmen können, sind spätestens dann vollkommen überlastet.

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#MoveTheDate - Was dahintersteckt

Um dies zu verhindern, hat das Global Footprint Network die #MoveTheDate-Kampagne ins Leben gerufen. Diese soll das Bewusstsein der Bevölkerung dafür stärken, dass jeder einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Denn die Ressourcen der Erde könnten ausreichen - wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Deshalb stellt die Organisation eine Vielzahl von Lösungen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in fünf wichtigen Kategorien vor.

Dabei sind nicht nur eine nachhaltige Städteplanung und städtische Entwicklungsstrategien essenziell für den Ausgleich zwischen Ressourcenanspruch und natürlichem Kapital. Auch wo und wie Nahrung produziert oder in welchem Maße die Natur berücksichtigt wird, spielt eine große Rolle, ebenso wie die Weltbevölkerung als solche. Würden all diese Faktoren nachhaltiger gestaltet, berechnen die Forscher, so könnte der Earth Overshoot Day um bis zu 74,5 Tage nach hinten verschoben werden.

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Doch das ist nicht alles. Mit 60 Prozent wird der größte Teil des gesamten ökologischen Fußabdruckes durch den CO2-Fußabdruck des Menschen verursacht. Dieser lag vor 150 Jahren noch nahe Null - und müsste eben dort spätestens bis 2050 wieder liegen, um die Pariser Klimaschutzziele noch zu erreichen. Könnte der CO2-Fußabdruck nur um 50 Prozent gesenkt werden, so würde sich der Earth Overshoot Day um 93 Tage nach hinten verschieben. Weitere 21 Tage kämen hinzu, wenn ein großer Teil der Energie durch erneuerbare Energien gedeckt werden könnte.

Rechnet man alle vorgeschlagenen Maßnahmen des Global Footprint Network zusammen, so ließe sich der Erderschöpfungstag also bis 2050 um knapp 188 Tage nach hinten verschieben. Zur Verdeutlichung: Ausgehend vom 29. Juli in diesem Jahr, läge der Earth Overshoot Day dann am 02. Februar des Folgejahres. Das würde bedeuten, dass die Ressourcen der Erde nicht nur ausreichen würden, es würden sogar Reserven zur Verfügung stehen.

Photovoltaikanlage


Sauberer Strom durch Solarenergie

Wichtig ist dabei, dass nicht nur auf staatlicher Ebene Maßnahmen durchgesetzt werden müssen, um den Ressourcenverbrauch nachhaltiger zu gestalten. Jeder Einzelne muss den Ist-Zustand auf den Prüfstand stellen und hinterfragen, ob der eigene Konsum umweltfreundlicher werden kann. Vor allem für Eigenheimbesitzer bietet die eigene Solaranlage dabei die Möglichkeit, einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu machen.

Denn eine Solaranlage nutzt die Energie der Sonne, um Strom zu erzeugen, der anschließend im Haushalt verbraucht werden kann. Die dezentrale Stromversorgung ist dabei wichtig für eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks, da sie den Bedarf an Kohle- oder Atomstrom verringert. Blickt man beispielsweise nach Deutschland, so sieht man, dass die Hälfte der Treibhausgasemissionen immer noch aus der Energiewirtschaft stammt.

Energiewende

Das liegt vor allem an der Stromerzeugung. Immer noch werden 38 Gigawatt Strom durch Kohlekraft erzeugt. Bei der Erzeugung des Kohlestroms werden jedoch 933g CO2 pro Kilowattstunde freigesetzt. Zum Vergleich: Die Solarstromerzeugung verläuft vollständig emissionsfrei, lediglich bei der Produktion der Komponenten werden noch Treibhausgase freigesetzt.

Zusammengerechnet ergibt dies einen Wert von 50g CO2 pro Kilowattstunde, der somit deutlich unter dem des Kohlestroms liegt. Das Potenzial zur nachhaltigen Stromgewinnung ist dabei auch in Deutschland riesig. Von 16 Millionen Einfamilienhäusern haben 14,8 Millionen zurzeit keine Solaranlage installiert. Würde man diese mit einer kleinen Solaranlage von 6 kWp Leistung versehen, entspräche dies 89 Gigawatt erzeugten Solarstroms jährlich, womit herkömmliche Kohlekraftwerke unnötig würden.

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Mit einer Solaranlage Geld sparen

Damit leistet jeder, der sich für den Kauf einer Solaranlage entscheidet, einen Beitrag für den Klimaschutz. Zusätzlich spart er bares Geld, denn der erzeugte Solarstrom kostet umgerechnet nur 8 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Verglichen mit einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent/kWh aus dem öffentlichen Netz wird die Ersparnis deutlich.

So lassen sich mit einer Photovoltaikanlage im Durchschnitt 35 Prozent des eigenen Energiebedarfs decken. Ein Stromspeicher erhöht den sogenannten Eigenverbrauch auf bis zu 80 Prozent. Das bedeutet: Es müssten nur noch rund 20 Prozent des benötigten Stromes aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen werden. Auf diese Weise sinken die jährlichen Stromkosten deutlich.

Solarstrom

Demnach hat ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 5.000 kWh rund 1.500 Euro Stromkosten im Jahr – ohne Solaranlage. Mit einem Eigenverbrauch von 80 Prozent könnten nun 4.000 Kilowattstunden durch Solarstrom gedeckt werden. Die verbleibenden 1.000 Kilowattstunden aus dem Netz würden dann nur noch 300 Euro kosten, was einer Ersparnis von 1.200 Euro entspräche.

Zusätzlich erhielte der Betreiber die festgeschriebene Einspeisevergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz für den ins Netz eingespeisten Strom. Denn eine mittelgroße Solaranlage mit 6 kWp Leistung erzeugt durchschnittlich 5.800 kWh Solarstrom im Jahr. Das bedeutet: Bei einem Eigenverbrauch von 80 Prozent würden rund 1.800 kWh ins Netz eingespeist, wofür eine Einspeisevergütung in Höhe von 10,64 Cent/kWh gezahlt würde. Dadurch erhielte der Betreiber zusätzlich eine Vergütung von knapp 192 Euro, womit die Stromkosten von anfänglich 1.500 Euro auf lediglich 108 Euro sinken könnten.

Photovoltaik


Fazit

Der Earth Overshoot Day am heutigen 29. Juli führt uns einmal mehr vor Augen, dass die Menschheit zurzeit einen Weg geht, der nicht nachhaltig ist. Stattdessen werden die erneuerbaren Ressourcen der Erde ab dem 30. Juli so stark ausgebeutet, dass diese nicht mehr nachwachsen können. Wir leben somit nicht nur auf Kosten der ärmeren Regionen dieser Welt, sondern auch kommender Generationen.

Aus diesem Grund muss ein Umdenken stattfinden, nicht nur auf staatlicher, sondern auch individueller Ebene. Jeder Einzelne muss seinen Konsum hinterfragen und Lösungen zur nachhaltigeren Gestaltung seines Alltags in Erwägung ziehen. Die eigene Solaranlage ist dabei die optimale Kombination aus Umweltschutz und Ersparnis. Denn auf diese Weise tragen Betreiber dazu bei, den Earth Overshoot Day ein Stück weit nach hinten zu verschieben und sparen nebenbei auch noch bares Geld.

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