Der Unterschied zwischen einer Einspeise-, Nulleinspeise- und der Inselanlage

Der Kauf einer Solaranlage ist keine einfache Angelegenheit und bringt eine Vielzahl von offenen Fragen und Entscheidungsmöglichkeiten mit sich. Viele Interessenten stehen daher bereits vor Beginn ihrer eigentlichen Anlagenplanung vor ein und derselben Frage: Um was für eine Anlage soll es sich eigentlich handeln?

Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland lassen sich dabei Photovoltaik-Anlagen installieren, um ihren eigenen Strom zu erzeugen und damit möglichst unabhängig von den weiter steigenden Strompreisen der öffentlichen Netzanbieter zu werden. Doch auch hier gibt es unterschiedliche Varianten. Einige davon sollen in diesem Artikel vorgestellt werden:

Die „normale“ Einspeiseanlage

Eine Photovoltaik-Anlage, die den eigens erzeugten und nicht direkt verbrauchten Strom an das öffentliche Netz abgibt, wird als Einspeiseanlage bezeichnet. Dabei ist das Haus, wie in Deutschland gesetzlich festgeschrieben, mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden und speist den überschüssigen Strom in dieses ein. Als Gegenleistung wird der eingespeiste Strom durch die sogenannte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entlohnt, die für die kommenden 20 Jahre festgelegt wurde und je nach Nennleistung der Anlage derzeit bei 10,71 bis 12,31 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liegt. Bei einer durchschnittlichen Familie beträgt der Eigenverbrauch dabei rund 30%, d.h. 70% des erzeugten Stromes werden eingespeist und schließlich vergütet. Durch die Installation eines Stromspeichers lässt sich der Eigenverbrauch sogar auf bis zu 75% erhöhen. Betreiber einer netzgekoppelten Einspeiseanlage können somit doppelt von dem eigens erzeugten Strom profitieren.

Vorteile Nachteile
Gutes Preis- Leistungsverhältnis Anmeldung der Anlage als Gewerbe
Erhalt der Einspeisevergütung nach EEG Unterliegt den Pflichten der EEG
Erstattung der Umsatzsteuer auf den Kaufpreis der Anlage Erhöhter bürokratischer Aufwand

Eine solche Anlage ist besonders sinnvoll für Hausbesitzer, die einen durchschnittlichen Stromverbrauch aufweisen und ihre jährlichen Stromkosten drastisch verringern möchten.

Die Nullleinspeiseanlage

Bei Nulleinspeiseanlagen handelt es sich hingegen um Solaranlagen, die keinerlei überflüssigen Strom produzieren, der bei einer normalen Anlage in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden könnte. Somit werden bestenfalls 100% des hergestellten Stroms selbst verbraucht, wozu es der optimalen Auslegung der Anlage und dazu passender Stromspeicher bedarf.

Die Stromproduktion bei einer solchen Anlage wird dabei durch einen Wechselrichter so gesteuert, dass die Leistung der Anlage exakt an den im Haushalt entstandenen Verbrauch angepasst wird. Ziel einer solchen Anlage ist es also, auch und vor allem mithilfe von Stromspeichern, die maximal mögliche Menge des produzierten Stromes zu verbrauchen, ohne weiteren Strom an den Netzanbieter abzugeben. Dadurch verzichtet man zwar auf die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, ist jedoch auch an keine der damit einhergehenden Pflichten gebunden. Doch auch diese Anlagen sind an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, um weiterhin normalen Strom beziehen zu können, wenn der erzeugte Solarstrom nicht ausreichen sollte.

Vorteile Nachteile
Kein erhöhter bürokratischer Aufwand Keine Rückerstattung der Umsatzsteuer
Keine Pflichten nach dem EEG Keine Einspeisevergütung
Erhöhte Unabhängigkeit

Eine solche Anlage eignet sich nur für Hausbesitzer, die einen hohen Eigenverbrauch aufweisen und einen dazu passenden Stromspeicher installieren lassen, um den eigens produzierten Strom möglichst sinnvoll zu nutzen.

Die Photovoltaik-Inselanlage

Von einer Inselanlage im Rahmen der Photovoltaik ist dann die Rede, wenn der vorhandene Stromspeicher auch dann von der Solaranlage mit Strom versorgt und somit aufgeladen werden kann, wenn keine Verbindung (mehr) zum öffentlichen Stromnetz besteht. Dies führt dazu, dass der Haushalt einzig und allein den von den Solarmodulen produzierten Strom verbrauchen kann, ohne auf den Zukauf von normalem Strom angewiesen zu sein. Dazu muss zunächst zwischen zwei Arten der Inselanlage unterschieden werden:

Inselanlage ohne Netzanschluss

In diesem Fall handelt es sich um eine Photovoltaik-Anlage, die in keiner Weise an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist. Dabei wurde die Anlage so konzipiert, dass sie in ihrer Größe und der Leistung, sowohl der Solarmodule, als auch der Speicher ausreichend ist, um das gesamte Haus eigenständig mit Strom zu versorgen und somit einen Autarkiegrad von 100% zu erreichen. In der Regel tritt dieser Fall jedoch nur ein, wenn der Anschluss an das öffentliche Stromnetz zu aufwendig oder teuer wäre, also in abgelegenen Wochenend- oder Ferienhäusern, sowie Berghütten und einzelnen Infrastruktureinrichtungen.

Inselanlage für Ersatzstrom

Dennoch gibt es auch für deutsche Hausbesitzer die Möglichkeit, die eigene Unabhängigkeit vom öffentlichen Strom zu erhöhen. Sollte es schließlich einmal zum Ausfall des Stromnetzes kommen, so kann es sinnvoll sein, eine sogenannte Inselanlage für Notstrom zu installieren. Diese ermöglicht, normale Einspeise-, ebenso wie Nulleinspeiseanlagen im Notfall zu Inselsystem umzuwandeln. Kommt es also zu einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes, so besitzen diese Systeme die Fähigkeit, automatisch und innerhalb von wenigen Sekunden auf Ersatzstrom umzuschalten und so die weitere Nutzung aller Verbraucher im Haushalt zu gewährleisten.

Hierzu bedarf es der Errichtung eines echten Ersatzstromsystems, bei dem eine allpolige Trennung im Zählerschrank installiert wird, um eine Trennung des gesamten Hauses vom öffentlichen Netz zu gewährleisten. In gleichem Maße muss der Wechselrichter mit dem Speichersystem kommunizieren können oder in Form eines ESS (wie beispielsweise dem E3/DCS10) bereits im Medium integriert sein. Kommt es also zu einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes, so besitzen diese Systeme die Fähigkeit, automatisch und innerhalb von Millisekunden auf Notstrom umzuschalten und so eine störungsfreie Nutzung aller Verbraucher im Haushalt zu gewährleisten.

Vorteile Nachteile
Funktion als Ersatzstromsystem Deutliche Mehrkosten
Absicherung vor Stromausfällen Kaum ökonomischer Nutzen
Maximale Unabhängigkeit Selten angewendet

Wer sich für eine solche Option entscheidet, der sollte zunächst den voraussichtlichen Tagesverbrauch, die dazu passende Anlagengröße, sowie die ausreichende Auslegung der Solarspeicher ermitteln und errechnen, ob eine solche Investition ökonomisch sinnvoll ist. Fest steht jedoch, dass eine hohe Unabhängigkeit von den zukünftigen Entwicklungen des Stromnetzes und der Energiepolitik in Deutschland mithilfe eines solchen Solarspeichersystems möglich ist.

Zuletzt noch einmal die Unterschiede zwischen den jeweiligen Systemen in einer Tabelle zusammengefasst:

Normale Einspeiseanlage Nulleinspeiseanlage Inselanlagen
Optional Optional

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